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25.04.2020 15:04 Alter: 185 days
Kategorie: Robert Laimer

Corona und seine wirtschaftlichen Auswirkungen - am Beispiel eines Musikers


Ich habe heute Peter Bosch am Fußballplatz in Rainfeld getroffen und seine derzeitige Lebenssituation gehört.

Peter ist als Musiker und Werbegraphiker – so wie aberhunderte Menschen aus der Eventbranche - massiv von der „gesellschaftlichen Isolation“ betroffen.

Das „2 Phasen-Modell“ des Härtehilfefonds der Wirtschaftskammer funktioniert nicht für Menschen, wie Peter Bosch. Verglichen mit einem 2 Phasen-Stecker, erinnert es mehr an „Licht aus“, als an Soforthilfe.

Während Peter Bosch in der 1. Phase noch 500 Euro (!) bekommen hat, wurde er in der 2. Phase überhaupt nicht mehr berücksichtigt! Da muss man objektiv wohl von Härte – statt Hilfe – sprechen.

Bezeichnend und völlig skurill ist die Tatsache, dass nicht das Finanzamt für diese Hilfen zuständig ist, sondern auf ausdrücklichen Wunsch der Regierungsparteien – die Wirtschaftskammer. Es wäre gerade so, wie wenn die Arbeiterkammer für die Auszahlung des Arbeitslosenbeitrages zuständig wäre und nicht das Arbeitsmarktservice!

Von Beginn an war diese Regelung ein Streitpunkt im Parlament und die seit einigen Tagen eingerichtete Corona „Sorgen-Hotline“ im Finanzamt beweist gerade zu diese groteske Situation.

Das alles bringt Peter Bosch als Künstler natürlich nicht weiter, zumal auch seine Frau als Reisebüroangestellte mittlerweile arbeitslos ist.

Derzeit stehen mehr als 1/3 der ArbeitnehmerInnen – ca. 1,5 Millionen – in Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Wobei jetzt schon absehbar ist, dass viele in Kurzarbeit befindlichen Menschen auch zukünftig arbeitslos werden, stehen doch ca. ¼ der österreichischen Unternehmen, und zwar die KMU, also der österreichische Wirtschaftsmotor, vor der Insolvenz!

Arbeitslose werden mit 55% ihres Letztbezuges in die „Untätigkeit“ verbannt… mit unbestimmten Ausgang. Wie sollen Klein- und Kleinstverdiener ihre Mieten bezahlen und ihre Familien ernähren?

Wieder wurde diese Woche der Antrag der Opposition im Parlament – Arbeitslosengeldbezug aufgrund Corona auf 70% erhöhen – abgelehnt! Die EPU werden wie im gegenständlichen Fall mit 500 Euro „abgespeist“ und in Folge gleich auf NULL gestellt. Wie sollen Menschen mit solchen „Chaosreglen“ ihr weiteres Leben fristen? Die „fetten Rücklagen“ haben vielleicht die Aktionäre, sicher nicht die österreichische Arbeiterschaft und die KMU. Woher denn, wenn die Reallohnerhöhung seit den 1980er Jahren nicht mehr nachhaltig gestiegen ist.

Dazu kommt ein Veranstaltungsverbot bis 31. August für die kreative Szene in unserem Land… mit 20m2 Abstandsregeln bei „Kleinveranstaltungen“ – alles sicher nicht praxistauglich und somit z.B. auch für die Freiwilligen Feuerwehren in den Sommermonaten nicht administrierbar!

„Zeltfeste funktionieren mal nicht so, wie wenn nur 1 Person im Wohnzimmer sitzen darf!“ 20m2 entsprechen dem Wohn- und Esszimmer einer Durchschnittswohnzimmer in einer Mietwohnung.

Ein unbürokratisches befristetes Corona-Grundeinkommen, in Höhe des von der SPÖ geforderten Mindestlohnes von 1.700,- Euro hätte Menschen wie Peter Bosch Perspektive und „elementare Sicherheit“ gegeben. Die jetzige Situation ist nicht nur herausfordernd, sie ist fatal und „zerstört wirtschaftliche Existenzen“.

Österreich war bisher stolz auf seine Populär- und Hochkultur – ein wesentlicher Tourismusbringer für das Kulturland Österreich. Wie derzeit mit den Kulturschaffenden umgegangen wird, zeugt nicht gerade von einer „feinfühligen politischen Kultur“ in unserem schönen Land!

Es ist daher dringend an der Zeit, dass für Ein-Personen-Unternehmen und Kleinstbetriebe ein realer Wirtschaftsplan entwickelt wird und nicht 500,- Euro auf unbestimmte Zeit „ausgeschüttet“ werden. „Koste es, was es wolle“ muss in den Ohren von Künstlern und anderen freischaffenden Menschen wohl mittlerweile wie Hohn klingen.